"Wir brennen für Lösungen."

Zu Besuch bei H+K kann man sie immer wieder hören: Sätze, die fast schon wie Liebeserklärungen klingen. Sie handeln vom Feuer der Begeisterung für die eigene Arbeit, von der Leuchtkraft wahren Dienstleistungs­bewusstseins, von der Leidenschaft für Qualität. All dies lebt Peter Keller. Der Geschäftsführer von H+K Härte- und Oberflächentechnik und H+K Beschichtungstechnik, der Dienstleistungssparte der H+K Gruppe, wirkt ansteckend in seiner Begeisterung. Selbst dann, wenn er „nur" über die neue Firmenstruktur spricht.

H+K, so wie wir es bisher kannten, gibt sich eine neue Struktur – mit zwei klar getrennten Unternehmen. Wie ordnen sich die Zuständigkeiten personell?

Sigmund Grimm wird seinen angestammten Geschäftsbereich unter dem vertrauten Namen„Hommel+Keller Präzisionswerkzeuge" weiterführen und darunter auch weltweit renommierte Marken wie ZEUS und QUICK für den Weltmarkt etablieren. Unter dem Dach von „H+K" kümmere ich mich um die Weiterentwicklung unseres Dienstleistungsangebots. Beide Unternehmen werden weiterhin ihren Sitz in der Brunnenstraße in Aldingen haben - zumindest für die nächsten drei bis vier Jahre. Wie lange genau, hängt davon ab, wie gut wir mit den bestehenden räumlichen Kapazitäten auskommen.

Was erwarten Sie sich von den Veränderungen im operativen Geschäft?

Vor allem: optimale Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum in allen Geschäftsbereichen. Allein in der Härte­technik peilen wir für die nächsten fünf Jahre 30% Plus an. Auf dem Weg zu diesem Ziel eröffnet uns der neue Auftritt ganz neue Handlungsfreiheit. Etwa, wenn es darum geht, uns über Kooperationen, Partnerschaften oder ähnliche Konstrukte mit anderen Akteuren am Markt zu verknüpfen.

Das heißt, H+K strebt im Bereich Oberflächentechnik eine noch stärkere Marktposition an?

Ja, der aktuelle Aufbruch eröffnet uns die Chance auf neue strategische Partnerschaften im In- und Ausland. Damit ebnen sich ganz neue Wege der Zusammenarbeit in der Marktbearbeitung. Die Folge könnte ein nach­haltiges Wachstum für die gesamte H+K Gruppe sein.

H+K hatte sich zuletzt vom regionalen Wärmebehandler zum namhaften Dienstleister entwickelt, u. a. für die Auto­mobil- und Zulieferindustrie. Wo sehen Sie das nächste Etappenziel?

Strategisch möchten wir vor allem weitere Akzente als Spezialist in der Vakuum- und Nitriertechnik setzen. Der Zeitpunkt ist günstig. Denn dank unserer Werkstoffingenieure und anderer hochqualifizierter Mitarbeiter sind wir in der Lage, unseren Kunden als echter Problemlöser zur Verfügung zu stehen - und das auch schon in sehr frühen Stadien. Zum Beispiel bei der Entwicklung von Wärmebehandlungsprozessen für Bauteile, die noch gar nicht auf dem Markt sind.

Die Anforderungen an viele Komponenten steigen immer weiter ...

Ja, die höheren technischen Ansprüche bei der Einspritzung sind ein gutes Beispiel dafür. Es zeigt, wie notwendig der Verschleißschutz an Düsen, Ventilen und Nadeln künftig sein wird. Zudem wird es schon bald nicht mehr aus­reichen, nur Teile zu härten; daneben wird auch ein zusätzlicher Beschichtungsprozess stattfinden müssen, der hilft, die Verschleißfestigkeit weiter zu verbessern.

Wird H+K dann beides aus einer Hand liefern?

Absolut. Schon unter diesem Gesichtspunkt ist es für uns und natürlich auch für unsere Kunden von enormem Wert, dass wir neben der Wärmebehandlung auch die Beschichtungstechnik im Hause haben. Das ist eine sehr gute Nachricht für alle, die gerade über die Beschichtung von Serienteilen nachdenken. Hier sehen wir ein großes Potential.

Wie Hommel + Keller entstand ...

Rund um Hommel+Keller gibt es viele eindrucksvolle Geschichten. Die vielleicht verblüffendste betrifft die Unternehmensgründung selbst – sie beginnt mit einem Konkurs: 1926, mitten im kurzen Wirtschaftswunder der Weimarer Republik, trifft es die Messwerkzeugtechnik Aldingen GmbH. Kurzfristig hat der Hauptabnehmer das Lieferabkommen gekündigt. Weil es keinen Vertrieb gibt, bricht der Absatz von heute auf morgen ein: das Aus für die erst wenige Jahre zuvor gegründete Fabrik- und damit auch für die technischen Angestellten Georg Hommel und Jakob Keller, den Großvater des heutigen Geschäftsführers von H+K.

Plötzlich ohne Job, wollen sie sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie finden Kapitalgeber, lösen für 15.734,73 Reichsmark die gesamte Konkursmasse ab, samt Grundstück und Gebäude - und gründen die Hommel+Keller KG. Am 2. November 1926 erfolgt die Eintragung ins Handelsregister.

... und wie sich H + K für die Zukunft aufstellt.

Starker Auftritt: Seit 1974 ist das Unternehmen mit der Wärmebehandlung im Aldinger Industriegebiet Brunnenstraße ansässig, seit 1988 treibt man auch die Vakuumtechnologie voran. Was mit zwei kleinen Härteöfen beginnt, präsentiert sich heute – in Gestalt eines großen, top-modernen Anlagenparks – als Full-Service Dienstleister, der für alle Verfahren der Wärmebehandlung bestens präpariert ist. Mit rund 10 Mio. Euro steuert der Bereich Wärmebehandlung längst den Löwenanteil zum Gesamtumsatz bei. Heute beschäftigt die H+K Gruppe über 120 qualifizierte und motivierte Mitarbeiter – darunter 98 in der Härterei.

Und auch für die Herausforderungen der Zukunft ist H+K bestens aufgestellt: Die H+K-Gruppe gehört zur HEF-Groupe, dem europäischen Marktführer im Bereich Oberflächenengineerings. In dieser Struktur kann H+K künftig seine Stärken noch besser entfalten – mit Zugriff auf ein einmaliges internationales Kompetenz-Netzwerk.

Lauter Härtefälle.

Getrieben von immer stärkeren Maschinen- und Motorleistungen bringt die Industrie immer höher legierte Werkstoffe hervor, dazu immer komplexere und kompliziertere Geometrien, welche nach der Wärmebehandlung ohne eine Nachbearbeitung direkt eingesetzt werden können.

Werkzeuge, Stempel, Matrizen für die Umformindustrie, Werkzeuge für die Kunststoff-Spritz­industrie oder Großserienbauteile für Einspritzkomponenten aus der Antriebstechnologie, der Wehrtechnik oder anderer Industriebereiche: Das Spektrum der Anwendungen fürs Vakuumhärten ist breit und vielfältig. H+K punktet zweifach: Mit der Zweikammervakuum­technik, mit der die Ergebnisse von Wälzlagerstählen zu fast 100% reproduzierfähig sind. Und mit Chargierkonzepten für Klein- und Großserien - von der Losgröße 1 für den Werkzeug- und Formenbau bis hin zur Großserie, wie zum Beispiel für Ventile der Common Rail Einspritzpumpe. Hiervon fährt H+K in seinen 12 Vakuumhärteanlagen jährlich rund 25 Mio. Stück, hinzu kommen etwa 6 Mio. Bauteile für die Piezo Pumpe. Zudem ist H+K ein echter Allrounder. Bedient wird das gesamte Spektrum: von kleinen Massen (< 1 00g/St.) bis zu großen Werkzeugen (>250kg/St.), vom einfachen bis zum bauteilspezifischen Härte­programm mit angepassten Aufheizphasen, Abkühlraten und Warmbadsimulationen.

Das Härten im Vakuumkammerofen hat viele Vorteile:

  • Der behandelte Stahl bleibt frei von Oxidationen - ideal für Formteile und Werkzeuge, die eine blanke und saubere Oberfläche benötigen.
  • Fertig bearbeitete Werkstücke müssen weder gereinigt noch nachbearbeitet werden.
  • Auch eine nachträgliche Härtung ist möglich.
  • Vorteil für die Umwelt: Sie wird weniger belastet.

mehr Härte

Vom Start weg mehr Prozess­sicherheit

Technik und gute Beratung – vielerorts ergeht es diesen beiden wie den berühmten Königskindern: Sie finden partout nicht zusammen. Anders bei H+K: Hier ist das Happy-end sozusagen schon eingebaut, denn jeder Auftrag wird konsequent vom Kunden her gedacht – beim ersten Beratungsgespräch, in jeder Projektphase und natürlich auch noch dann, wenn am Ende der Nachweis anzutreten ist: Mission erfüllt! Worauf es bei jedem Schritt im Einzelnen ankommt, weiß Dr. Ing. Steffen Wolf, Leiter Vertrieb und Projektmanagement bei H+K.

Was zählt in der automatisierten, auf Lean- und Prozessmanagement optimierten Welt von heute besonders?

Gefragt sind Bauteile mit geringem Verzug sowie ohne Oxidation und Verfärbungen an der Oberfläche. Das macht ein Nacharbeiten oder Nachschleifen überflüssig und reduziert die Kosten für diese Bauteile ganz erheblich. Eine verkürzte Prozesskette setzt Einsparpotentiale frei: So sind wir in der Lage, die durch den Werkstoff und das Wärmebehandeln verursachten hohen Kosten für den Kunden zu reduzieren oder sogar ganz auszugleichen. Für die Automobilindustrie ist das ganz essentiell.

Stichwort: Abbildung automotivefähiger Prozesse ...

Das ist die eigentliche Herausforderung. Sie besteht darin, homogene Ergebnisse von gleichbleibender Qualität über den gesamten Lebenszyklus zu gewährleisten. Das kostet Zeit. Zugleich gilt es, dem enormen Zeitdruck für eine saubere Bearbeitung gerecht zu werden. Das lässt sich nur über eine Automatisierung sicherstellen, die mit berührungslosen Gestell-Konzepten arbeitet.

Im Härtungsprozess gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die das Behandlungsergebnis beeinflussen - welche sind hier vor allem zu nennen?

In erster Linie: die Materialzusammensetzung, die Bauteilkonstruktion und die Chargiertechnik. Weil es aber noch einige Faktoren mehr gibt, empfehlen wir unseren Kunden: Lassen Sie sich von Anfang an von unseren Werkstoffspezialisten beraten! Die kennen alle Parameter ganz genau und wissen, wie Werkstoff, Werkstück­anforderungen und die jeweiligen Wärmebehandlungsverfahren optimal aufeinander abzustimmen sind.

Spätestens hier erkennt auch der Laie, dass sich eine individuelle, kompetente Beratung bezahlt macht.

Ja, und das ist bei der Entwicklung von Serienprodukten und beim Einsatz spezieller Werkstoffe auch ein absolutes Muss. Vor allem, wenn ein Bauteil extremen Bedingungen ausgesetzt ist oder wenn eine komplexe Bauteilgeometrie in Serie geht. Hier kann H+K für den Kunden maßgeschneiderte Chargier- und Behandlungs­prozesse herausarbeiten. Heißt: mehr Prozesssicherheit vom Start weg - mit entsprechend positiven Auswir­kungen auf das Ergebnis.

Und die Generalprobe für den Serienanlauf spielt dann im H+K internen Werkstoff- und Prüflabor ...

Bevor die behandelten Produkte unser Haus verlassen, müssen sie erst durch unsere modernen Mess- und Prüf­anlagen. Hier dokumentieren wir die erforderliche Härte mit verschiedenen Prüfmethoden. Serienteile können wir so in jeder Hinsicht genauestens unter die Lupe nehmen. Das ist wichtig, weil wir uns als Lieferant der Automobil- und Zulieferindustrie natürlich zur Null-Fehler-Strategie verpflichtet haben. Und Eines ist klar: Angesichts immer anspruchsvollerer Komponenten wird sich hier in Zukunft die Spreu vom Weizen trennen.